Zusammenhalt ist Entscheidung
Was uns zusammenhält, entscheidet sich nicht von selbst
Die Schweiz liebt ihre Selbstbeschreibungen. Wir seien pragmatisch, dialogfähig, vielfältig – und irgendwie immer einen Schritt besonnener als andere. Doch Identität ist kein Naturzustand. Sie ist eine Aufgabe. Und sie stellt sich nicht nur in Sonntagsreden, sondern dort, wo Meinungen aufeinandertreffen, und Widerspruch ausgehalten werden muss.
Eine aktuelle Umfrage von Sotomo im Auftrag von Feldschlösschen zeigt: Der Wunsch nach Zusammenhalt ist gross, gleichzeitig wächst das Gefühl der Entfremdung. Viele Menschen haben den Eindruck, dass das Gemeinsame leiser wird, während die Gräben lauter werden. Das ist kein Schweizer Sonderfall. Ein Blick in unsere Nachbarländer – und auf den dortigen politischen Ruck – genügt. Umso mehr stellt sich die Frage, ob wir bereit sind, aus Überzeugung dagegenzuhalten.
Zusammenhalt entsteht nicht durch Harmonie, sondern durch den Mut zur fairen Kontroverse. Durch das Zuhören vor dem Recht haben. Durch Räume, in denen Differenz nicht als Bedrohung gilt, sondern als Voraussetzung eines lebendigen Gemeinwesens. Genau darin lag stets eine Stärke der Schweiz: Konflikte nicht zu verdrängen, sondern auszuhandeln.
Die nächste Landesausstellung kann mehr sein als ein Schaufenster. Sie kann zu einem kollektiven Spiegel werden. Einer, der nicht nur zeigt, wer wir sind, sondern fragt, wer wir sein wollen. Nicht als Vorbild für andere – sondern als Verantwortung gegenüber uns selbst.
Beat Heuberger, Stv. Gesamtprojektleiter Svizra27