Eine Landesausstellung, die uns nicht gehört, braucht niemand

Wem gehört eine Landesausstellung? Die höfliche Antwort lautet: allen. In Wahrheit gehörten frühere Landesausstellungen vor allem jenen, die sie planten – Politik, Wirtschaft, Kultur. Sie erzählten ein Bild der Schweiz, und der Rest des Landes sollte sich darin wiederfinden.

 

Heute wirkt dieses Modell müde. Die Schweiz ist ein Geflecht aus Lebensrealitäten, Sprachräumen und digitalen Blasen. Eine von oben komponierte Erzählung mag nach aussen beeindrucken, nach innen bleibt sie oft folgenlos. Gerade deshalb ist die Frage nach der nächsten Landesausstellung keine nostalgische, sondern eine höchst aktuelle: Wofür ist sie überhaupt noch da?

 

Sinnvoll wird sie nur, wenn sie als Anlass mit Innenwirkung verstanden wird. Nicht nur als Event, den man konsumiert, sondern als Prozess, der lange vorher beginnt: in Gemeinden, Schulzimmern, Vereinen, Betrieben. Bottom-up heisst in diesem Zusammenhang nicht «wir fragen einmal nach der Meinung», sondern: Themen, Konflikte und Hoffnungen entstehen dort, wo die Menschen leben – und prägen die Landesausstellung von Anfang an.

 

Das ist anstrengender als eine perfekt orchestrierte Show. Es produziert Widersprüche, Unsicherheiten, Reibung. Aber genau darin liegt ihr Wert. Eine Landesausstellung, die diesen Aufwand scheut, wird vielleicht schöne Bilder liefern. Eine, die ihn wagt, kann etwas Seltenes leisten: Sie macht sichtbar, ob es dieses «Wir» noch gibt – und wie es in Zukunft aussehen könnte.

 

Von Jonas Maag, Generalsekretär Svizra27