Ein Land sucht seine gemeinsame Zukunft
Ein Land sucht seine gemeinsame Zukunft
Die Schweiz plant gerne gründlich. Wir kennen unsere Szenarien, unsere Kennzahlen, unsere Fahrpläne. Aber haben wir auch ein gemeinsames Bild davon, wohin wir als Gesellschaft wollen? Manchmal wirkt es, als sei unser Land ein perfekt organisierter Betrieb – nur ohne Zukunftserzählung.
Gleichzeitig wachsen leise Spaltungen. Nicht die lauten Schlagabtausche im Parlament sind entscheidend, sondern die vielen kleinen Risse im Alltag: zwischen Stadt und Land, Alt und Jung, Menschen mit digitalem Hochglanzleben und solchen, die sich von all dem eher überrollt fühlen. Es sind Spannungen, die selten aufbrechen, sich aber in Rückzug, Misstrauen und Müdigkeit niederschlagen.
Eine Demokratie kann ohne Hochglanzvision leben, aber nicht ohne ein Mindestmass an gemeinsamem Horizont. Wenn wir nicht mehr wissen, was wir miteinander wollen, bleibt am Ende nur noch Verwaltung des Status quo. Dann wird Politik zur Schadensbegrenzung, nicht zur Gestaltung.
Gerade deshalb braucht die Schweiz Orte, an denen sie sich selbst befragen kann: Wer sind wir, wenn die Schlagworte verstummen? Welche Zukunftsvorstellungen teilen wir trotz aller Unterschiede? Eine Landesausstellung wie Svizra27 wäre nicht einfach ein grosser Event, sondern ein Labor für ein neues, gemeinsames Bild.
Es geht nicht darum, alle Differenzen einzuebnen. Im Gegenteil: Die leisen Spaltungen sollen sichtbar, erzählbar, verhandelbar werden. Ein Land, das sich die Zeit nimmt, sich selbst zuzuhören, beweist vor allem eines: dass es an die eigene Zukunft glaubt.
Von Jost Huwyler, Gesamtprojektleiter Svizra27